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Nachbericht Zoonoses 2019 - International Symposium on Zoonoses Research

Internationales Symposium für Zoonosenforschung zum Thema „Neglected Tropical Diseases“ (NTDs) bringt über 400 Wissenschaftler*innen aus der ganzen Welt vom 16. bis 18. Oktober in Berlin zusammen.

Unter „Neglected Tropical Diseases“ (NTDs, zu Deutsch: vernachlässigte Tropenkrankheiten) werden Infektionskrankheiten zusammengefasst, die hauptsächlich in tropischen und subtropischen Regionen der Welt vorkommen. Laut WHO betreffen diese vorranging Bevölkerungsgruppen, die in Armut leben, keinen Zugang zu adäquaten sanitären Einrichtungen haben oder in engem Kontakt mit Tieren wohnen. Durch Globalisierung und Klimawandel verändert sich das von diesen oft zoonotischen Erkrankungen ausgehende Gefahrenpotential dramatisch. Auch für nicht-tropische Länder wie Deutschland steigt das Ansteckungsrisiko mit neuen Erregern, wie der kürzlich erste humane Fall einer West-Nil-Virus (WNV)-Infektion im Land zeigt. Daher hatte das diesjährige Symposium der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen NTDs als Schwerpunktthema.

Zoonosenforschung im Fokus der Bundesministerien

Auch die Bunderegierung hat erkannt, dass das von Zoonosen ausgehende Gefahrenpotential hoch ist und fördert bereits seit 2007 die Forschung in diesem Bereich. Die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen, welche in Kooperation mit dem Forschungsnetz für Zoonotische Infektionskrankheiten das Internationale Symposium für Zoonosenforschung veranstaltete, ist dabei ein wichtiger Baustein. Dementsprechend wurde das Symposium durch den ranghöchsten Veterinär des Landes (Chief Veterinary Officer), Dr. Dietrich Rassow vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), eröffnet, der die Wichtigkeit der interdisziplinären Zoonosenforschung und im speziellen der NTDs für Deutschland hervorhob.

West-Nil-Virus zeigt: Tropenkrankheiten auch in Deutschland auf dem Vormarsch

Der darauffolgende Hauptvortrag zum Thema West-Nil-Virus (WNV) bestätigte diese Worte eindrucksvoll. Denn in diesem stellten Professor Martin Groschup vom Friedrich-Loeffler-Institut und Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut im Schulterschluss zwischen Veterinär- und Humanmedizin eindrucksvoll die rasante Ausbreitung des von Mücken übertragenen WNV in Deutschland in den letzten zwei Jahren dar. Der durch den milden Winter begünstigte Anstieg an Fallzahlen könnte dabei laut Prof. Groschup immer noch nur „die Spitze des Eisbergs sein“.

Auch Dengue wird vom Mücken übertragen und ist laut Prof. Jänisch vom Institut für Globale Gesundheit des Universitätsklinikums Heidelberg eine „charakteristische Erkrankung für Globalisierung und Verstädterung“. Sie breitet sich in unserer modernen Welt zunehmend aus. Die erfolgreiche Bekämpfung zoonotischer NTDs erfordert dabei das Zusammenwirken mehrerer Wissenschaftsbereiche. Nur die Bündelung von Expertisen und Ressourcen verspricht auf diesem Forschungsgebiet langfristig Erfolge und kann dazu beitragen, dass Deutschland einem Ausbruch nicht unvorbereitet gegenübersteht. Vorhandene Erfahrungen mit Viren aus der Veterinärmedizin können dabei wichtige Hinweise auf mögliche Verbreitungswege auch von für Menschen relevante, neue Erkrankungen liefern. Hierbei ist eine Betrachtung des gesamten Komplexes von Übertragungswegen, Erregerarten und Diagnosetools im human- und veterinärmedizinischen Bereich essentiell.

Der dazu notwendige interdisziplinäre wissenschaftliche Austausch innerhalb der Zoonosenforschungs-Community fand vom 16. bis 18. Oktober in zahlreichen Sessions des Internationalen Symposiums für Zoonosenforschung statt.

Keynote I Zoonoses 2019

Fächerübergreifende Zusammenarbeit in der Zoonosenforschung: Prof. Schmidt-Chanasit und Prof. Martin Groschup hielten gemeinsam einen Vortrag zu West-Nil-Virus aus Sicht der Veterinär- und der Humanmedizin

Keynote II Zoonoses 2019

Zoonoses im One Health Kontext: Christian Gortázar Schmidt von der Universidad de Castilla appellierte für einen ganzheitlichen Bekämpfungsansatz bei Tuberkulose

Ganzheitliche Betrachtung von Zoonosen – der One Health Ansatz

Neben West-Nil und Dengue wurden auch Tuberkulose, Leishmaniose, Filariosen (lymphatische Filariose, Onchozerkose) und das Nipah-Virus in Hauptvorträgen von renommierten Forscher*innen aus unterschiedlichen Nationen thematisiert. Die Vorträge machten deutlich, dass für eine erfolgreiche Bekämpfung von zoonotischen Erregern eine ganzheitliche Betrachtung von Tier, Mensch und Umwelt im Sinne des „One Health“ Gedankens wichtig ist.

So erläuterte Prof. Christian Gortázar Schmidt, vom Institut für Wildtierforschung der Universität Castilla in Spanien, dass im Kampf gegen Tuberkulose alle Faktoren wie Landwirte, betroffene Wildtiere, Diagnosemethoden und Impfstoffentwicklung zu berücksichtigen seien. Auch Dr. Jonathan H. Epstein von der EcoHealth Alliance, New York, appellierte für ganzheitliche Strategien in der Bekämpfung von Zoonosen wie zum Beispiel dem Nipah-Virus. Für das Übertreten von zoonotischen Pathogenen aus Wildtierpopulationen auf Nutztiere oder Menschen sei das Zusammenwirken vieler Voraussetzungen notwendig. Diese komplexen Übertragungswege nachzuvollziehen sei nicht immer einfach. Einmal verstanden würde dieses Wissen aber eine Vielzahl von möglichen Interventionsmöglichkeiten offenlegen.

Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Neben den wissenschaftlichen Vorträgen bot das Zoonosensymposium zahlreichen Zoonoseforscherinnen und -forschern die Möglichkeit ihre Arbeit anhand eines Posters zu präsentieren. Hierbei wurden die drei besten Poster von Nachwuchswissenschaftler*innen, gewählt durch die Teilnehmer*innen des Symposiums, mit einem Posterpreis bedacht.

Zudem bekamen junge Wissenschaftler*innen die Möglichkeit sich mit etablierten Forscher*innen der Community bei einer geselligen Frühstücksrunde, dem Young Scientist Breakfast (YSB), am letzten Morgen der Veranstaltung auszutauschen. Hierbei waren individuelle Karrierewege genauso Thema wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, erfolgreiches Projektantragschreiben oder die bürokratischen Pflichten einer Professur. Auch wenn das frühe Aufstehen nicht jedermanns Sache war, entwickelten sich bereits nach wenigen Minuten an allen Tischen angeregte Gespräche. (Einen ausführlichen Nachbericht zum YSB 2019 finden sie hier.)

Session Zoonoses 2019

Volles Haus - mit 400 Teilnehmer*innen war das Symposium ausgebucht und auch die einzelnen thematischen Sessions waren sehr gut besucht

1000. Mitglied

Eine stetig wachsende Zoonosenforschungs-Community in Deutschland - die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen konnte auf dem Symposium ihr 1000. Mitglied in ihren Reihen willkommen heißen

Eine lebendige Zoonosenforschungs-Community in Deutschland

Das Internationale Symposium für Zoonosenforschung diente deutschen und internationalen Zoonoseforschern als Diskussions- und Austauschplattform. „Ich habe selten eine wissenschaftliche Konferenz erlebt, auf der so viel interaktiver Austausch stattfand“, so ein Teilnehmer vom Friedrich-Loeffler-Institut. „In jeder Ecke waren kleine Grüppchen anzutreffen, die rege über wissenschaftliche Themen diskutierten.“

Mit knapp 400 teilnehmenden Mitgliedern der Zoonoseforschung war das Symposium das größte seit Beginn des Veranstaltungsformats 2009. Die rege Beteiligung, sowie die Vielzahl der vertretenen Themengebiete und die hohe Qualität der präsentierten Forschungsarbeiten bestätigen die Aktualität und die Bedeutung der Zoonosenforschung in und für Deutschland. Zudem konnte die Zoonosenplattform im Rahmen des Symposiums ihr 1000. Mitglied begrüßen.

Die Entwicklung zeigt, dass es der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen über die letzten Jahre gelungen ist, sich als Dachorganisation für die Zoonosenforschung in Deutschland zu etablieren und eine aktive und handlungsfähige Forschungs-Community zu schaffen, die durch das Forschungsnetz Zoonotische Infektionskrankheiten noch einmal gestärkt wird. Das breite Mitgliederspektrum deckt dabei die Vielzahl der in der Zoonosenforschung vertretenen Themengebiete ab.

Das nächste Internationale Symposium für Zoonosenforschung findet vom 14. bis 16. Oktober 2020 in Berlin statt.

Text: Dana Thal

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