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WHO stuft Affenpocken-Ausbruch als „Notlage“ ein

Seit Mai 2022 sind vermehrt Affenpocken Fälle bei Menschen außerhalb der bekannten Endemiegebiete Afrikas aufgetreten. In einer Komiteesitzung am 21. Juli 2022 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das länderübergreifende Ausbruchsgeschehen zur „Gesundheitsnotlage internationaler Tragweite“ erklärt. Die Entscheidung war nicht einstimmig.

Am 21. Juli 2022 kam das International Health Regulations (2005) (IHR) Emergency Committee der WHO zu einer zweiten Sitzung zusammen, um den aktuell andauernden Ausbruch von Affenpocken in mehreren Ländern erneut zu evaluieren. In einer anschließenden Pressekonferenz erklärte der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus das Ausbruchgeschehen zu einer „Notlage von internationaler Tragweite“ (Public Health Emergengy of Internationale Concern, PHEIC).

Als Gründe hierfür nannte Ghebreyesus die Tatsache, dass sich das Virus rasant in mehreren Ländern ausbreite. Zudem beobachte man neue Transmissionswege, über die derzeit noch vieles unbekannt sei und das Risiko einer weiteren internationalen Ausbreitung sei gegeben. Insbesondere für Europa werde das Risiko als hoch angesehen. Die Definition eines PHEIC - ein außergewöhnliches Ereignis, das durch internationale Ausbreitung eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit in anderen Staaten darstellt und möglicherweise eine koordinierte internationale Reaktion erfordert – sah er somit als erfüllt an.

 

Info-Box Affenpocken:

Affenpocken sind eine zoonotische Erkrankung, die endemisch in einigen Regionen Afrikas vorkommt. Seit Mai 2022 traten vermehrt Fälle außerhalb Afrikas auf. Laut WHO sind bisher über 16.000 Fälle aus 75 Ländern gemeldet worden (Stand 23.06.22). In Deutschland wurden 2.268 Affenpockenfälle (Stand 22.7.2022) an das Robert Koch Institut übermittelt. Das aktuelle Ausbruchsgeschehen ist durch Mensch zu Mensch Übertragungen geprägt, aber langfristig können auch zoonotische Übertragungen nicht ausgeschlossen werden.

Dennoch war die Entscheidung im Komitee umstritten. Argumente gegen ein PHEIC umfassten u.a. die Tatsache, dass es bereits erste Zeichen einer Stabilisierung bzw. eines Rückgangs der Fallzahlen in einigen Ländern gebe. Zudem werde die Schwere der Erkrankung als gering eingestuft und die Mehrheit der Fälle beschränke sich auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe (Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)), was gezielte Interventionsmaßnahmen erleichtere. Ein PHEIC könne hier außerdem eher hinderlich sein, um Affenpocken assoziierte Stigmata gegenüber LGBTI+ Communities abzubauen.

Am Ende fiel die Entscheidung der WHO zugunsten einer PHEIC, um die internationale Aufmerksamkeit gegenüber des Ausbruchsgeschehens hoch zu halten und die internationalen Bemühungen in der Bekämpfung zu fördern.

Die WHO Einschätzung wurde zusammen mit Handlungsempfehlungen für ihre Mitgliedsländer veröffentlicht. Ob und wie diese Empfehlungen umgesetzt werden, bleibt die Entscheidung der Länder.

Weitere Informationen:

Vollständiges Statement des International Health Regulations (2005) (IHR) Emergency Committee

Pressestatement des WHO Generalsekretärs

Aktuelle Informationen zu Affenpocken des Robert Koch Instituts

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