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„Ein Schmelztiegel der Zoonosenforscher“

Zoonosen-Symposium in Berlin: Mehr als 350 Forscher aus aller Welt tauschen sich zur Bekämpfung zoonotischer Infektionskrankheiten aus

„Die jährlich veranstalteten deutschen Zoonosen-Symposien sind ein wahrer Schmelztiegel der Zoonosenforscher geworden, ohne die die vielfältigen interdisziplinären und transsektoralen Forschungsansätze gar nicht möglich gewesen wären. Dass das Symposium nun gemeinsam mit der ‚International Conference on Emerging Zoonoses‘ organisiert wird, belegt die Bedeutung erneut.“ Das betonte Professor Dr. Lothar Wieler (FU Berlin, Mitorganisator der Zoonosen-Konferenz) anlässlich der Joint Conference: German Symposium on Zoonoses Research 2014 and 7th International Conference on Emerging Zoonoses, die heute mit mehr als 350 internationalen Teilnehmern in Berlin beginnt. „In einer hochtechnisierten und ethisch anspruchsvollen Wissenschaftsgesellschaft kann uns nur ein inter- und transdisziplinärer Diskurs Lösungen bringen“, so Wieler.

„Angesichts der aktuellen Ebola- und MERS-Coronavirus-Ausbrüche sowie des Auftretens einiger anderer neuer und wieder auftretender zoonotischer Krankheiten in der ganzen Welt kommt diese Konferenz gerade im rechten Augenblick“, sagte Professor Heinz Feldmann (National Institutes of Health, Bethesda, USA), der die Konferenz federführend mit vorbereitet hat. „Ich hoffe, die Konferenz kann auch die Aufmerksamkeit von Förderorganisationen und politischen Entscheidungsträgern gewinnen, damit in den nächsten Jahren ausreichend Mittel für die Erforschung zoonotischer Erkrankungen zur Verfügung gestellt werden.“
Das deutsche Symposium für Zoonosenforschung wird jedes Jahr von der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen ausgerichtet, die seit 2009 Wissenschaftler aus Human- und Veterinärmedizin, Universitäten und Bundesinstituten sowie aus Grundlagenforschung, Epidemiologie, Public Health und klinischer Anwendung zusammenbringt. In diesem Jahr findet die Konferenz erstmals als große internationale Veranstaltungen mit Gästen aus aller Welt statt, die hier ihre Forschungsergebnisse zu Zoonosen präsentieren.  

Nach Einschätzung des Tiermediziners Lothar Wieler ist dies ein großer Gewinn: „Tatsächlich füllt die Zoonosenplattform endlich diese riesige Lücke, die sich aus der Spezialisierung im Bereich der Human- und Tiermedizin in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ergeben hat. Gäbe es die Zoonosenplattform nicht, könnten wir weder vorbehaltlos wissenschaftlich fundiert über die Transmission von multi-resistenten Bakterien, noch über die Auswirkungen von pandemischen Influenza-Viren diskutieren“. Gerade der aktuelle Ebola-Ausbruch zeigt erneut, wie eng Infektionen bei Tieren und Menschen zusammenhängen. Das Wissen über diese Zusammenhänge – bei Ebola wie bei vielen anderen zoonotischen Infektionen – wird dazu beitragen, künftig gezieltere Prävention betreiben und mögliche Ausbrüche schneller erkennen zu können.  

Heinz Feldmann betont die Vorreiterrolle, die Deutschland mit seinen intensiven Vernetzungsinitiativen der vergangenen Jahre international einnimmt: „Das deutsche Zoonosen-Netzwerk ist sehr gut entwickelt. Es ist wirklich ein exzellentes Beispiel für das Networking im Bereich der Zoonosenforschung weltweit. Ich würde mir wünschen, dass das in anderen Ländern auch so gut funktionieren würde, und ich hoffe sehr, dass die Förderung für dieses Netzwerk weitergeht.
Die Akademie für Tiergesundheit zeichnete im Rahmen des Symposiums Dr. Fabian Leendertz (Robert Koch-Institut) mit ihrem Förderpreis aus. Leendertz ist Fachtierarzt für Mikrobiologie und hat wesentliche Beiträge zu epidemiologischen Zusammenhängen vor allem bei neuartigen exotischen Zoonosen geleistet. In diesem Jahr hat er unter anderem ein großes Forschungsteam geleitet, mit dem er in Guinea die Herkunft des Ebola-Virus nachverfolgt hat, das für den aktuellen Ausbruch in West-Afrika verantwortlich ist.           

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