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Landnutzungsveränderungen und Zoonosen

Im fünften Teil der Online-Workshopreihe „Klimawandel und Zoonosen“ wurde thematisiert, wie die Umwelt und Landnutzungsveränderungen die Verbreitung und das Vorkommen von Zoonosen beeinflussen können.  Gastgeber der Veranstaltung waren die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen und die Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf.

Das One Health-Konzept stellt den Zusammenhang zwischen der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt dar. Obwohl dieser Grundgedanke mittlerweile eine breite Akzeptanz in Gesellschaft und  Wissenschaft erfährt, wird der Umweltaspekt in der praktischen Umsetzung oft vernachlässigt. Erst in den letzten Jahren findet vermehrt die Vernetzung veterinär-/medizinischer Fragestellungen mit Umweltaspekten statt.

Dies beobachtet auch Dr. Birgit Habedank in ihrer Tätigkeit für das Umweltbundesamt (UBA). Die studierte Biologin wies beim Workshop auf das wichtige Zusammenspiel von Wirten, Erregern und Vektoren mit ihrer Umwelt hin. Die Umwelt wiederrum wird durch den Klimawandel beeinflusst. Daher hat das UBA verschiedene Publikationen der Beeinflussung von Vektorspezies (Stechmücken und Zecken) durch den Klimawandel gewidmet [1] [2]. Klimawirkungs- und Vulnerabilitätsanalysen für Deutschland haben ergeben, dass die regionalen Klimawandel-Betroffenheiten in Deutschland in den nächsten Jahren sehr unterschiedlich ausfallen können (Abb. 1). Dementsprechend werden auch die Auswirkungen auf Erreger, Vektorspezies und Wirtsspezies regional sein.

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Abb. 1: Klimaraumtypen in Deutschland und zentrale Herausforderungen des Klimawandels in Deutschland, Quelle: Umweltbundesamt

Damit diese komplexe Problematik adressiert werden kann, warb Frau Dr. Habedank für eine Ressort-übergreifende Zusammenarbeit. Zudem benötige man eine hohe Datendichte, um valide Handlungsempfehlungen für die Politik aussprechen zu können. Die Bündelung und das Zusammenführen von Datensätzen aus der Forschung sei daher eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.

Eine Forscherin, die solche Daten liefern kann, ist Prof. Simone Sommer. Die Biologin leitet das Institut für evolutionäre Ökologie und Erhaltungsgenomik an der Universität Ulm. Sie erforscht die Auswirkungen von Umweltveränderungen auf die Gesundheit von Wildtieren und auf Zoonosen in unterschiedlichen Ländern, wie beispielsweise in Panama, Costa Rica oder Südafrika. Eine wichtige Umweltveränderung ist der Rückgang der Biodiversität in vielen Ökosystemen weltweit. Dieser Verlust der Artenvielfalt und -häufigkeit verändert wiederum Infektionsgeschehen, da die Übertragungs- und Mutationswahrscheinlichkeiten beeinflusst werden. Ökologische Störungen beeinflussen also auch Zoonosen.

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Abb. 2: Puzzle des Lebens, European Commission coalition for biodiversity

Die zugrundeliegenden Mechanismen sind oft sehr komplex. So konnte Prof. Sommer mit ihrem Team zum Beispiel zeigen, wie die Umwelt das Mikrobiom von Tieren beeinflussen kann, was wiederum deren Infektionsanfälligkeit verändern kann [3]. Mit dem Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, der Fragmentierung oder Zerstörung von Lebensräumen und der Schaffung neuer Kontaktflächen zwischen Mensch, Haus-, Nutz- und Wildtieren beeinflusst der Mensch also auf vielfältige Art seine Umwelt und damit auch das Vorkommen von Zoonosen.

Folgerichtig beendete Prof. Sommer ihren Vortrag mit dem Statement: „…wir sind nur ein Bestandteil des großen Puzzles des Lebens.“ Daraus folgt, dass wir bei allem, was wir tun, das gesamte System beeinflussen. Ein One Health-Ansatz in der Bekämpfung von Zoonosen ist daher unumgänglich.  Um die größeren Zusammenhänge zu erkennen, müssen wir das Schubladendenken in Fachdisziplinen überwinden.

Text: Dr. Dana A. Thal für die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen

Weiterführende Links:

Klimawandel und Zoonosen – Teil 1

Klimawandel und Zoonosen – Teil 2

Klimawandel und Zoonosen – Teil 3

Klimawandel und Zoonosen – Teil 4

Literatur:

[1] Auswirkungen des Klimawandels auf die Verbreitung krankheitsübertragender Tiere: Importwege und Etablierung invasiver Mücken in Deutschland, Egbert Tannich, Umweltbundesamt, Umwelt & Gesundheit 09/2015

[2] Auswirkungen des Klimawandels auf die Verbreitung Krankheitserreger übertragender Tiere (exotische Stechmücken), Egbert Tannich, Renke Lühken, Artur Jöst, Umweltbundesamt, Umwelt & Gesundheit 03/2020

[3] The fungicide chlorothalonil changes the amphibian skin microbiome: a potential factor disrupting a host disease-protective trait. Jiménez RR, Alvarado G, Mena F, Ruepert C, Ballestero E, Sommer S (2021) Applied Microbiology, 1, 26–37.

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