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28. September - Welt-Tollwut-Tag

Vorstellung des Forschungsverbunds Lyssaviren

28. September 2011. Wildtollwut - Gefährdeter Bezirk! Deutlich leuchteten die Schilder im Wald. Die meisten von uns können sich noch gut daran erinnern. Dass diese Schilder und die Angst vor Tollwut in Deutschland nun langsam in Vergessenheit geraten, verdanken wir konsequenten Impfmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten. Millionen Wildtiere - vor allem Füchse - wurden seitdem mit Ködern geimpft, so dass sie immun gegen die Krankheit wurden und sie nicht mehr weiter verbreiten konnten. Seit 2008 gilt Deutschland als tollwutfrei. Dieser Erfolg ist ein Grund zum Feiern. Dennoch muss weiter an Tollwut geforscht werden.

Deutschland ist frei von klassischer Tollwut, doch spielt Tollwut noch in weiten Teilen der Welt eine große Rolle. In vielen Ländern Afrikas und Asiens ist sie endemisch. Besonders häufig kommt Tollwut in Indien vor. Täglich werden Menschen durch Bissverletzungen von streunenden Hunden und anderen Tieren infiziert. Dramatisch ist dies, wenn diese Personen nicht sofort medizinisch versorgt werden können. Bis heute ist Tollwut eine tödliche Erkrankung, denn es gibt keine wirksame Therapie, wenn die Krankheit einmal ausgebrochen ist. Die einzige Hoffnung bei Verdacht auf eine Ansteckung ist die sog. Postexpositionsprophylaxe - eine nachträgliche Impfung innerhalb weniger Tage nach der Infektion. Personen, die aus beruflichen oder anderen Gründen der Gefahr, sich mit Tollwut zu infizieren, ausgesetzt sind, wird daher geraten, sich impfen zu lassen.
 
Neben der klassischen Tollwut, die durch das Rhabiesvirus (RABV) - ein Virus aus der Gattung der Lyssaviren - ausgelöst wird, gibt es weitere Tollwut-Viren. Darunter fallen die Viren der Fledermaustollwut (Europäisches Fledermaus-Lyssavirus; European bat lyssavirus (EBLV 1, 2)), die auch in Deutschland vorkommen, jedoch sehr selten für Infektionen bei Menschen verantwortlich sind.

 

Da Lyssaviren von großer Bedeutung sind, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung seit 2010 den Forschungsverbund "Lyssavirus". In neun Teilprojekten bearbeiten Human- und Tiermediziner zusammen verschiedene Fragestellungen rund um die Tollwut. Dabei interessiert die Wissenschaftler besonders, wo auf der Welt sich die Tollwuterreger aufhalten, wie sie im Organismus der infizierten Tiere leben und welche Bedeutung die Tollwut für das öffentliche Gesundheitswesen hat.
 
Dem Genom des Virus wird im Institut für Virologie am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems auf den Grund gegangen. Dort analysiert Dr. Dirk Höper das Genom verschiedener Tollwut-Stämme, um Rückschlüsse auf Anpassungen an den Wirt zu ziehen und etwas über Herkunft und Vorkommen der Viren sagen zu können.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Christian Drosten am Institut für Virologie an der Universität Bonn untersucht Lyssaviren von Fledermäusen, die in Afrika und Südamerika Ursache für eine virusbedingte Enzephalitis (Entzündung des Gehirns) sein können. In seinem Teilprojekt untersucht der Humanmediziner, in wie weit Umweltbedingungen dazu beitragen, dass die Viren von Fledermäusen auf Menschen oder Haustiere übertragen werden können. Die Ergebnisse sollen in eine experimentelle Risikoabschätzung zu den Übertragungsweisen von Lyssaviren münden. 
Seine Ergebnisse können auch dazu beitragen, das Teilprojekt der Wissenschaftler um Dr. Thomas Müller (Friedrich-Loeffler-Institut, Wusterhausen) zu ergänzen. In Wusterhausen wird untersucht, welche Überwachungsmaßnahmen zur Beobachtung der Fledermaustollwut in Europa sinnvollerweise aufgebaut oder weitergeführt werden sollten.
Die humanmedizinische Seite des Vorkommens von Lyssaviren in Form von Tollwuterkrankungen wiederum wird an der Universitätsklinik in Essen unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Ross beleuchtet. In diesem Rahmen soll unter anderem das Wissen zu Tollwut in der Bevölkerung überprüft und analysiert werden.
 
Der Forschungsverbund verfügt über neun Teilprojekte, in denen Human- und Tiermediziner zusammen verschiedene Fragestellungen rund um die Tollwut bearbeiten. Dabei interessiert die Wissenschaftler besonders für die molekularen Aspekte von Virus und Wirt, aber auch für Fragen der Epidemiologie und Prävention.


 

Weitere Informationen zum Forschungsverbund Lyssavirus

Koordinator: Dr. Thomas Müller, Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit - Institut für Epidemiologie, Wusterhausen

 

Ansprechpartner für die Medien:
Dr. Ilia Semmler, Geschäftsstelle Nationale Forschungsplattform für Zoonosen - Standort Berlin


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