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Forschung mit Krankheitserregern – überwiegt der Nutzen oder das Risiko?

Auf dem Nationalen Symposium für Zoonosenforschung 2013 diskutieren Wissenschaftler mit Journalisten über die Gefahr von Missbrauch ihrer Forschung

Berlin, 20.09.2013. „Wir müssen genau verstehen, was geschieht, wenn ein Virus vom Tier auf den Menschen überspringt, um uns davor schützen zu können“, erklärte der Virologe Professor Hans-Dieter Klenk auf der Podiumsdiskussion zum Thema „Dual Use – Missbrauchspotenzial von wissenschaftlichen Ergebnissen“ im Rahmen des Nationalen Symposiums für Zoonosenforschung 2013. Dafür seien auch sogenannte „gain of function“-Experimente wichtig, bei denen Krankheitserreger im Labor zusätzliche Eigenschaften erhalten, die sie in der Natur noch nicht besitzen.

Dem widersprach der erfahrene Wissenschaftsjournalist Volker Stollorz und fragte: „Ist der Nutzen dieser Experimente wirklich so groß, dass wir ihre Risiken in Kauf nehmen?“ Privatdozent Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts und Leiter des Zentrums für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene, schlug vor, ein Gremium einzusetzen, das ähnlich wie eine Ethik-Kommission vor dem Beginn der Experimente Nutzen und Risiken gegeneinander abwägt. Die angeregte Diskussion zeigte deutlich, dass „Dual Use“ in der Forschung weiterhin ein kontroverses Thema ist, mit dem sich viele Wissenschaftler auseinandersetzen müssen und wollen. Für Sebastian C. Semler, Leiter des Geschäftsstellenstandorts Berlin der Zoonosenplattform, war die Podiumsdiskussion „ein gutes Beispiel dafür, dass wir auf dem Nationalen Symposium für Zoonosenforschung vermehrt Beiträge präsentieren, die aus der Wechselwirkung zwischen Forschung und Öffentlichkeit entstehen.“


Im Rahmen des Nationalen Symposiums für Zoonosenforschung 2013 diskutierten auf einer Podiumsdiskussion zum Thema "Dual Use" Wissenschaftler und Journalisten das Missbrauchspotenzial wissenschaftlicher Forschungsergebnisse. V.l.n.r.: PD. Dr. Lars Schaade (Robert Koch-Institut), Volker Stollorz (Wissenschaftsjournalist), Volkart Wildermuth (Wissenschaftsjournalist und Moderator) und Prof. Dr. Hans-Dieter Klenk (Philipps-Universität Marburg). 

Nobelpreisträger Professor Harald zur Hausen gibt Denkanstoß

Schon der Vormittag hatte vielversprechend begonnen: Professor Martin Groschup, Standortleiter des Geschäftsstellenstandorts Greifswald, betonte in seiner Begrüßung: „Gerade die Nachwuchsförderung im Bereich der Zoonosenforschung ist uns ein Anliegen. Außerdem ist es wichtig, dass wir internationale Partnerschaften bilden.“

Dazu passte es gut, dass der erste Vortrag von dem renommierten französischen Virologen Noël Tordo vom Institut Pasteur in Paris gehalten wurde. Er stellte umfassend dar, welche Fortschritte die Tollwut-Forschung in den vergangenen Jahren gemacht hat und welcher Forschungsbedarf weiterhin besteht: Durch eine bessere Impfung für Menschen und die Entwicklung von Therapeutika soll die Zahl von etwa 55.000 Menschen, die jährlich weltweit an Tollwut sterben, gesenkt werden.

Gleich darauf sprach Nobelpreisträger Professor Harald zur Hausen über die Hypothese, dass es sich auch bei Darmkrebs um eine Zoonose handeln könnte. Verschiedene Argumente sprächen dafür, dass neben genetischen Veränderungen der menschlichen Zellen auch von Tieren stammende Krankheitserreger eine Rolle bei der Entstehung von Darmkrebs spielen könnten. Vor allem der Verzehr von rohem oder nicht durchgegartem rotem Fleisch erhöht das Risiko für Darmkrebs. Daher suchen Wissenschaftler hier nach möglichen Krankheitserregern als Erklärung für dieses Phänomen.

 


Dr. Noël Tordo (Institut Pasteur) stellte Fortschritte und weiteren Forschungsbedarf im Fall der Tollwuterkrankung dar.
Nobelpreisträger Prof. Dr. Harald zur Hausen (Deutsches Krebsforschungszentrum) präsentierte seine Hypothese, dass es sich bei Darmkrebs um eine Zoonose handeln könnte.

 

Wissenschaftler vernetzen sich – auch beim Frühstück

Für Professor Stephan Ludwig, Leiter des Geschäftsstellenstandorts Münster, zeigte schon der erste Tag des Nationalen Symposiums für Zoonosenforschung 2013, „dass sich durch die Arbeit der Zoonosenplattform eine regelrechte Community gebildet hat: Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen treffen sich hier nicht nur, sondern inzwischen arbeiten sie auch zusammen und stellen hier ihre Daten gemeinsam vor.“

Der zweite Tag des Symposiums begann mit einem Frühstück, bei dem Nachwuchswissenschaftler mit erfahrenen Kollegen in ungezwungener Runde über unterschiedliche Karrierewege diskutierten – bevor dann in weiteren Vorträgen u. a. neue Erkenntnisse über das MERS Corona Virus präsentiert werden.

  

 
Die Geschäftsstellenleiter der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen und zwei der renommierten Referenten auf dem Nationalen Symposium für Zoonosenforschung. V.l.n.r.: Prof. Dr. Martin Groschup (Geschäftsstelle Greifswald-Insel Riems), Dr. Noël Tordo (Institut Pasteur, Paris), Prof. Dr. Harald  zur Hausen (Deutsches Krebsforschungszentrum), Prof. Dr. Stephan Ludwig (Geschäftsstelle Münster), Sebastian C. Semler (Geschäftsstelle Berlin).
 

 



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