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Antibiotikaresistente Keime in Hähnchenfleisch

Der Nachweis von ESBL und MRSA auf Hähnchenfleisch in einer Studie des BUND sorgt für Schlagzeilen

11. Januar 2012 In einer Pressemitteilung vom 9. Januar 2012 machte der Bund für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland (BUND) darauf aufmerksam, dass bei einer Stichprobenuntersuchung mit 20 Proben in 50% der Proben ESBL (Extended Spectrum Beta-Lactamase, Beta-Lactamase mit erweitertem Wirkungsbereich) und in 20% der Proben MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) nachgewiesen werden konnten. Laut BUND kann dieser Nachweis antibiotikaresistenter Keime auf den übermäßigen Gebrauch von Antibiotika in der Tierhaltung zurückgeführt werden.

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) wiederholte daraufhin, dass es erklärtes Ziel sei, den Antibiotikagebrauch in der Tiermast zu verringern, um damit die therapeutische Breite bei der Behandlung bakterieller Infektionen beim Menschen zu erhalten. Zudem stellte das BMELV am 10. Januar geplante Maßnahmen zur Eindämmung und Kontrolle des Einsatzes von Antibiotika bei Tieren vor. Die vorgelegte, derzeit zur Abstimmung bei den Ländern liegende Überarbeitung des Arzneimittelgesetztes sehe strengere Auflagen bei der Verwendung von Antibiotika bei Tieren vor und solle die unbürokratische und schnelle Zusammenarbeit von Behörden erleichtern, so das Bundesministerium.

Ebenfalls am 10. Januar wies das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Pressemitteilung darauf hin, dass der Nachweis von antibiotikaresistenten Keimen in Fleischproben bereits länger bekannt sei, und wiederholte Handlungsempfehlungen für die Tierhaltung sowie für Verbraucher. Im Rahmen des Zoonosen-Monitorings 2009 wurde vom BfR die Resistenzsituation in Nutztieren und in Lebensmitteln untersucht. Der Bericht hierzu kann im Internet nachgelesen werden.

Antibiotikaresistente Keime können prinzipiell in Tieren und in Menschen entstehen. In der aktuellen Diskussion wird der Schwerpunkt auf der Entstehung von resistenten Keimen in der Tiermast gesehen. Wenn Tiere mit Antibiotika behandelt werden, ist es möglich, dass Keime, die aufgrund ihrer genetischen Eigenschaften für diese Antibiotika nicht empfänglich sind, die Therapie überstehen, während alle anderen Keime abgetötet werden. Bei häufigem Gebrauch von Antibiotika ist die Wahrscheinlichkeit groß, einen solchen Selektionsvorteil für resistente Keime zu schaffen und somit ungewollt deren Vermehrung zu begünstigen. Resistente Keime können anschließend vom Tier auf den Menschen in unterschiedlicher Weise übertragen werden. Die Übertragung über Lebensmittel ist eine Möglichkeit, wobei das Lebensmittel den Keim bereits bei der Gewinnung tragen oder bei der Gewinnung (z.B. der Schlachtung oder der Verarbeitung) damit kontaminiert werden kann.

 

Wichtig zu wissen ist, dass die resistenten Keime nicht zwangsläufig auch Krankheitserreger sein müssen. Es ist jedoch aufgrund der biologischen Eigenschaften von Bakterien möglich, dass bei gleichzeitigem Vorkommen innerhalb eines Tieres oder Menschen genetisches Material zwischen harmlosen und krankmachenden Keimen ausgetauscht werden kann und es auf diese Weise zur Weitergabe von Resistenzen kommt. In der Folge können Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen auftreten, die schwer oder nicht mit Antibiotika behandelbar sind.

 

Als besondere Gefahr gilt der Eintrag solcher Keime in Krankenhäuser - beispielsweise durch Personen mit häufigem Tierkontakt, die Träger resistenter Keime sein können. Im Krankenhaus herrscht dann eine ungute Kombination aus resistenten Keimen, Krankheitserregern, Antibiotika und anfälligen Patienten.

Um diesem Szenario vorzubeugen, empfiehlt u.a. das BfR, den Gebrauch von sogenannten Reserveantibiotika - also von Antibiotika, die eine besondere Bedeutung bei der Behandlung bakterieller Erkrankungen bei Menschen haben - in der Tiermast gründlich zu überdenken. Generell wäre der möglichst sparsame Gebrauch von Antibiotika sowohl in der Tier- als auch in der Humanmedizin ein wichtiger Schritt.

 

Um sich beim Verzehr von Fleisch vor einer Infektion mit antibiotikaresistenten Keimen zu schützen, empfiehlt das BfR den Verbrauchern unter anderem, Fleisch immer gründlich durchzugaren, da Bakterien durch Erhitzen abgetötet werden können.


Weitere Informationen und Links zu diesem Thema haben wir im Folgenden zusammengestellt:

 

 

Ansprechparter für die Medien

Dr. Ilia Semmler

Wissenschaftliche Referentin, Nationale Forschungsplattform für Zoonosen

c/o TMF - Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V.

Neustädtische Kirchstraße 6

10117 Berlin

Telefon: 030-310 119 72

 


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