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Nachbericht zum National Symposium on Zoonoses Research 2015

Abstractband zum Zoonosensymposium 2015 zum Download

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One health: Viele Daten vorhanden, Verknüpfung fehlt

Zoonosen-Symposium 2015 mit Fokus auf öffentlicher Gesundheit

„Es sind schon viele Daten vorhanden, aber wir verstehen noch zu wenig. Die Verknüpfung zwischen den Daten fehlt.“ Das sagte Prof. Dr. Martin Pfeffer (Veterinärmedizinische Fakultät Leipzig) im Rahmen einer Diskussion zu One health und neuen Zoonosen am zweiten Tag des Nationalen Zoonosen-Symposiums am 16. Oktober 2015 in Berlin. Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit (Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin) betonte, wie wichtig in diesem Zusammenhang die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist: „Wir können eben nicht alles selbst“. Das Symposium wurde gemeinsam mit Vertretern des Öffentlichen Gesundheitsdienstes geplant und durchgeführt.

 

„Die Ergebnisse dieser Diskussion sind sehr wichtig für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“, sagte Dr. Ute Teichert (Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und Direktorin der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen Düsseldorf). „Die natürliche Grenze zwischen Menschen und exotischen wilden Tieren, die es früher gab, wird immer mehr durchbrochen“, erläuterte hierzu Jonas Schmidt-Chanasit. „Jetzt müssen wir noch stärker mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst zusammenarbeiten.“

Die wichtigsten Knotenpunkte für die Ausbreitung von Seuchen sind die Flughäfen in New York, London und Frankfurt: „Infektionskrankheiten, die durch hochpathogene Krankheitserreger hervorgerufen werden, werden praktisch ausnahmslos über Flughäfen eingeschleppt“, sagte Prof. Dr. René Gottschalk (Frankfurter Amt für Gesundheit). Der SARS-Erreger habe 2003 nur drei Tage für seine Verbreitung über mehrere Kontinente gebraucht. Gottschalk wies auch darauf hin, dass Fieber-Screenings von Passagieren beim Verlassen des Flugzeugs zur Detektion von Infektionskrankheiten wertlos sind. Diese waren als Maßnahme zur Verhinderung der Ausbreitung der Ebola-Epidemie intensiv diskutiert worden.

Eine Kinderkrankheit von Kamelen

„MERS ist das Paradigma für One health-Forschung“, sagte Prof. Dr. Christian Drosten (Universität Bonn). Intensive Kooperation auf internationaler Ebene war maßgeblich dafür, dass jüngst gezeigt werden konnte, dass das Middle East respiratory syndrome coronavirus (MERS), das beim Menschen SARS-ähnliche Symptome auslöst, eine klassische Zoonose ist: „Die Infektion wird überwiegend vom Tier auf den Menschen übertragen, die befürchtete Übertragbarkeit zwischen Menschen findet nur sehr limitiert statt“ – eine wichtige Erkenntnis, nicht zuletzt auch für den Öffentlichen Gesundheitsdienst. Die Forscher konnten zeigen, dass MERS eine Kinderkrankheit von Kamelen ist. Als Public health-Maßnahme wäre deshalb das Impfen junger Kamele erstrebenswert.

Risikobewertung: Unsicherheit akzeptieren und benennen

Der Öffentliche Gesundheitsdienst hat es immer mit der Einschätzung und Abwägung von Risiken zu tun. „Kurzfristige Risikobewertungen sind unerlässlich bei neuen oder wiederauftretenden Zoonosen – auch und gerade wenn die zur Verfügung stehenden Informationen unvollständig sind“. Dies sagte Dr. Andrea Ammon vom European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in Stockholm. Schnelle Bereitstellung von Risikobewertungen ist deshalb eine der zentralen Aufgaben des ECDC. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Bekanntwerden eines Ausbruchs werden erste Einschätzungen bereitgestellt. Es geht darum einzuschätzen, ob die Gesundheitsbehörden reagieren müssen und welche Schutzmaßnahmen vorhanden sind.

Wichtig sei es dabei insbesondere, die Unsicherheiten zu akzeptieren und zu benennen. Risikobewertungen würden entsprechend mit der Entwicklung des Geschehens und der Auswertung neuer Daten regelmäßig aktualisiert. Im Zeitraum von Oktober 2014 bis Oktober 2015 seien 31 Risikobewertungen zu Zoonosen und nur 11 zu nicht-zoonotischen Erkrankungen erstellt worden.

Antibiobika-Resistenzen: window of opportunity

Von einem „window of opportunity“, um das zunehmende Problem von Antibiotika-Resistenzen zu bekämpfen, sprach Dr. Ute Teichert angesichts der Bedeutung, die das Thema mit der Veröffentlichung der Berliner Erklärung der G7 vor wenigen Tagen erfahren habe. Im Öffentlichen Gesundheitsdienst sei das Problem schon lange angekommen. Dr. Jürgen Rissland, wie Teichert ebenfalls vom Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitswesens, betonte, dass die Diskussion zwischen Human- und Veterinärmedizin sehr wertvoll sei und auch regional viel stärker implementiert werden sollte. 


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