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EHEC in Deutschland

Hintergrundinformationen zu den aktuellen EHEC-Infektionen - Aktualisierung

31. Mai 2011. Die Welle neuer EHEC-Infektionen ist nach wie vor sehr präsent in der öffentlichen Wahrnehmung. Täglich werden neue Fälle von infizierten Personen, von schweren Verläufen und sogar Todesfälle bekannt. Die Zoonosenplattform stellt Hintergrundinformationen zur Orientierung über das aktuelle Geschehen bereit. Der vorliegende Text ist eine Aktualisierung der Informationen und Begriffsbestimmungen vom 24. Mai 2011 und wird weiterhin den aktuellen Erkenntnissen angepasst.

EHEC – der Erreger

EHEC (entero-hämorrhagische Escherichia coli) sind seit rund 30 Jahren bekannt für teilweise schwer verlaufende Darmerkrankungen. Im Labor von Prof. Dr. Dr. Helge Karch (Institut für Hygiene, Westfälische Wilhelms-Universität Münster) konnte inzwischen der genaue Typ des Erregers, der Ursache für die aktuelle Erkrankungswelle ist, ermittelt werden. Die Infektionen werden vom Subtyp HUSEC 41 mit dem Sequenztyp ST678, einem E. coli-Bakterium vom Serovar O104:H4, ausgelöst. Dieses Serovar ist nicht unbekannt, wurde jedoch weltweit bislang nie mit einem Ausbruch in Verbindung gebracht.

Der Erreger ist resistent gegenüber bestimmten Beta-Lactam-Antibiotika (Penicillin und Cephalosporin). Für die Behandlung ist das jedoch nicht ausschlaggebend, da bei einer EHEC-Infektion keine Antibtiotika verabreicht werden sollen. Die Vernichtung der Bakterien würde zu einem sprunghaften Anstieg der Konzentration der bakteriellen Gifte (sog. Shiga-Toxine) im Körper des Erkrankten führen, was die Situation des Patienten verschlechtern würde.

 

EHEC-Infektion – das Krankheitsbild

EHEC-Infektionen gehen mit schweren Bauchschmerzen und Durchfall einher. In den meisten Fällen leiden die Patienten an wässrigem Durchfall, gelegentlich an Erbrechen und nur sehr selten an Fieber. Wenn blutiger Durchfall auftritt, sollte laut Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Blutiger Durchfall kann für den Beginn des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) sprechen, das eine schwere Komplikation der Erkrankung bedeutet.

Die vorliegende Erkrankung scheint weiterhin mehrheitlich Frauen zu betreffen. Dies wird darauf zurückgeführt, dass Frauen häufiger mit der Zubereitung von Speisen beschäftigt sind und dass sie häufiger Salate essen.
Dennoch bedeutet dies nicht, dass Kinder, immunschwache oder ältere Personen im Falle einer Erkrankung weniger gefährdet seien als bei bisher bekannten EHEC-Infektionen. Sie gelten weiterhin als besondere Risikogruppen, bei denen es häufiger zu Komplikationen kommen kann.

 

EHEC – woher kommen sie?

EHEC sind natürliche Darmbewohner von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen, aber auch Hirschen und Rehen. Rohes Fleisch und rohe Milch können bei der Gewinnung mit den Bakterien kontaminiert werden und gelten als häufigste Infektionsquelle bei bisherigen EHEC-Erkrankungen. Gemüse kann z.B. durch verunreinigtes Wasser mit EHEC kontaminiert werden. Der aktuelle Ausbruch ist der erste EHEC-Ausbruch in Deutschland, der mit dem Verzehr von Gemüse in Verbindung gebracht wird.

Zunächst wurden die EHEC-Infektionen auf kontaminierte Tomaten, Blattsalate oder Salatgurken zurückgeführt. Eine Kontamination mit EHEC-Bakterien kann theoretisch bei allen Zwischenschritten vom Erzeuger, über Lagerung, Transport und Vertrieb bis hin zur Verarbeitung geschehen.

 

EHEC – wie kann man sich davor schützen?

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gelten die aktuellen Empfehlungen, Salatgurken, Tomaten und Blattsalate vor allem in Norddeutschland nicht roh zu verzehren. Da auch kleine Mengen von EHEC-Bakterien (10 bis 100 Keime) eine Infektion auslösen können, sind aus Sicht des BfR schälen und waschen kein ausreichender Schutz. Erhitzen auf mindestens 70 Grad für zwei Minuten oder länger tötet die Bakterien zuverlässig ab, so dass erhitzte Lebensmittel als unbedenklich gelten.

Darüber hinaus gelten die bekannten Hygienehinweise:
• Hände waschen nach dem Toilettengang und vor dem Essen
• Intensive Küchenhygiene, wozu das Trennen von Rohem und Gekochtem und das gründliche Reinigen der Küchenflächen und -geräte gehören.

 
Aktuelle Forschung an EHEC

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Forschung an sogenannten Zoonoseerregern, das heißt an Infektionserregern, die zwischen Tieren und Menschen übertragbar sind, bereits seit 2007. Zusammen mit dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und dem Bundesministerium für Gesundheit entschied es sich im Jahr 2006 zu einer gemeinsamen Forschungsvereinbarung zu Zoonosen.

Seitdem werden Forschungsverbünde, die sich interdisziplinär aus Human- und Tiermedizinern zusammensetzen und die sich der Erforschung verschiedener zoonotischer Erreger widmen, gefördert.

Einer dieser Verbünde ist der Verbund FBI-Zoo (Food-Borne Zoonotic Infections of Humans), der sich der Erforschung lebensmittelbedingter zoonotischer Infektionen beim Menschen verschrieben hat. In acht von insgesamt 17 verschiedenen Teilprojekten werden unter der Leitung von Prof. Dr. Lothar H. Wieler (Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen, Fachbereich Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin) Untersuchungen zu EHEC durchgeführt. Dem prominenten EHEC-Forscher Prof. Dr. Dr. Helge Karch, einem der Teilprojektleiter, der das Konsilliarlabor des Robert Koch-Instituts für EHEC betreibt, gelang gelang in Zusammenarbeit mit Dr. Angelika Fruth und Dr. Erhard Tietze, zwei weiteren Teilprojektleitern im Referenzlabor des Robert Koch-Instituts in Wernigerode, im aktuellen Geschehen die erfolgreiche Bestimmung des Keims. Im Labor von Prof. Karch wurde ein geeigneter Schnelltest entwickelt, der die Diagnostik von HUSEC 41, ST678, erleichtert. Das Laborprotokoll für die Multiplex-PCR wurde am 30. Mai zur freien Verwendung für alle Wissenschaftler und Ärzte im Internet veröffentlicht.

 

Autorin: Ilia Semmler
für die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen


Die Hintergrundinformationen der Zoonsenplattform vom 24. Mai  bleiben weiterhin gültig.

Weitere Informationen zu EHEC im Internet:

Aktuelle Informationen des Robert Koch-Instituts zu EHEC

Verbrauchertipps zu EHEC vom Bundesinstitut für Risikobewertung

Verbraucherhinweise  der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Weltgesundheitsorganisation - WHO zu lebensmittelübertragenen Infektionskrankheiten

WHO-Poster: Fünf Schlüssel zu sicheren Lebensmitteln 


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