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„Die Welt aus der Perspektive des Erregers sehen“

Nationales Symposium für Zoonosenforschung in Berlin eröffnet

13.10.2016. „Indem wir versuchen, die Welt aus der Perspektive des Erregers zu sehen, können wir uns auf die Ausbreitung von neu auftretenden Infektionen besser vorbereiten“, sagte Prof. Dr. Dirk Brockmann (Robert Koch-Institut und HU Berlin) in seiner Keynote zur Eröffnung des Nationalen Symposiums für Zoonosenforschung vor rund 300 Wissenschaftlern heute in Berlin. Mit Hilfe von Netzwerktheorie könnten Muster sichtbar gemacht werden, die sonst schwer zu erkennen wären.

„In einer zunehmend komplexen Welt sind die Augen – zusammen mit den Händen – das wichtigste Tool des Wissenschaftlers“, so Brockmann, der zu komplexen Systemen in der Biologie und insbesondere in der Infektionsepidemiologie forscht. Zentral sei hier die Konnektivität zwischen den Knoten eines Netzwerks: „Einem Erreger ist die tatsächliche Entfernung zwischen zwei Punkten egal, Hauptsache, es gibt viel genutzte Verkehrswege und es geht schnell“. Die Anwendung der Netzwerktheorie zeige erneut geometrische Ausbreitungsmuster, die bei der Beobachtung der herkömmlichen Landkartendarstellung eher chaotisch wirkten.

2014 hatte Brockmann mit seinem Team die mögliche Ausbreitung von Ebola über den Luftverkehr modelliert und für die 1.227 größten Flughäfen weltweit das relative Risiko für den Import des Erregers berechnet. „Für uns ist das eine Anwendung unseres Modells. Wir haben es jetzt auch für die Modellierung der Verbreitung des Zikavirus genutzt“.

Von Bucheckern zur Vorhersage von Hantavirus-Fällen im Folgejahr

Für die Verbreitung zoonotischer Erkrankungen auf nationaler Ebene sind die herkömmlichen geographischen Darstellungen dagegen immer noch nützlich. Deshalb sind in Projekten der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen verschiedene Landkarten und Atlanten entwickelt worden.

Beispielsweise leitet die Risikolandkarte für Hantaviren in Baden-Württemberg aus verschiedenen Baum- und Beerenbeständen sowie vor allem aus der jährlichen Menge der reifen Bucheckern, der Buchenmast, eine Vorhersage für das Auftreten von Hantavirus-Erkrankungen in der Bevölkerung im Folgejahr ab – Bucheckern sind eine wichtige Futterquelle für die Rötelmaus, das Überträgertier des Hantavirus. Die Buchenmast und Klimadaten werden jährlich aktualisiert, eine Vorhersage für 2017 ist bereits abrufbar. „Wir werden ein ziemlich ausgeprägtes Hantajahr bekommen“, schlussfolgert Stefan Brockmann (Gesundheitsamt Reutlingen) aus der aktuellen Simulation. 

Ab 2017 soll auch ein Zeckenatlas entstehen. Hierfür wird auf das Citizen-Science-Prinzip zurückgegriffen, und die Bevölkerung wird aufgefordert, Zecken an die Universität Leipzig zu senden.

Weiterhin viele ungeklärte Fragen in der Zoonosenforschung

„Die Zoonosenforschung hat nach wie vor eine hohe Bedeutung vor allem für die Gesundheitsvorsorge, aber letztlich auch für die Sicherheit und die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes“, sagte Prof. Dr. Stephan Ludwig (Institut für Molekulare Virologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster). „Nach wie vor gibt es viele ungeklärte Fragen, beispielsweise in meinem Fachgebiet, der Grippeforschung.“ Auch das Problemfeld der zunehmenden Antibiotikaresistenzen sowie nicht zuletzt das Auftreten neuer Epidemien, die ihren Ursprung zunehmend häufig im Tierreich haben, erforderten weiterhin eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschern in der Human- und der Veterinärmedizin.

„Wir freuen uns deshalb, dass in dem wichtigen Forschungsfeld Zoonosen auch künftig weiter Verbünde und Netzwerke gefördert werden sollen.“ Voraussichtlich 2017 werden im Rahmen der erneuerten Forschungsvereinbarung zu Zoonosen, mit der vier Bundesministerien* den One Health-Ansatz in der Gesundheitsforschung stärken, neue Forschungsverbünde starten. Diese können über die Zoonosenplattform und die Arbeitsgruppe Zoonosen und Infektionsforschung der TMF auf Erfahrungen und Vorarbeiten früherer geförderter Projekte aufbauen.

* Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Bundesministerium der Verteidigung (BMVg)  


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Antje Schütt | presse@tmf-ev.de | Tel.: 030 – 2200247-31, mobil 0173 6141663

Dr. Ilia Semmler | info@zoonosen.net | Tel.: 030 - 220024772


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